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Köpping: Bei Gewalt gibt es keine Toleranz

Integrationsministerin stellt sich den Fragen von Zehntklässlern in der Oberschule Pegau
VON MATHIAS BIERENDEUND OLAF KRENZ

Moderiert von Lehrer Christoph Schein (l.), stellt sich Integrationsministerin Petra Köpping (im Podium 3. v. l.) den Fragen der Pegauer Zehntklässler.Foto: Mathias Bierende

Pegau. Die Chance, eine Landespolitikerin der Entscheider-Ebene auszufragen, haben sie reichlich genutzt. Die Zehntklässler der Oberschule „Frédéric Joliot-Curie“ in Pe­gau hatten gestern Vormittag Petra Köpping, sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration sowie SPD-Landtagsabgeordnete, für eine Diskussionsrunde zu Gast. „Ich persönlich bin sehr zufrieden, die Schüler hatten sich gut vorbereitet“, sagte die frühere Landrätin im Anschluss. „Deshalb war es eine sehr interessante, schnelllebige Frage- und Antwort-Doppelstunde.“

Ausgangspunkt der Debatte war, dass die Bildungseinrichtung im April die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten hatte. Bei ihrer Gratulation hatte Köpping damals ein Gespräch angeboten. Was die Schülern annehmen wollten, erklärte jetzt Schulleiterin Barbara Gollan. Nun klappte es. Gemeinschaftskunde- und Sportlehrer Christoph Schein fungierte als Moderator. Unter anderem sprachen Marie, Lorenzo und Schülersprecher Konstantin im Themenkomplex Integration die Aspekte Asylpolitik, Freiheit, Gewalt und europäische Regelungen an.

„Woher kommt der Fremdenhass?“, wollten sie wissen. Worauf Köpping sagte:„Viele Bürger sind unsicher in Bezug auf Probleme wie: Was wird aus mir? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Was passiert mit meiner Zukunft? – Da müssen wir aufklären.“ Was aber zurzeit eine schwierige Geschichte sei, besonders weil sich mit der gewonnenen Freiheit nach der Wende das Leben verändert habe. „Nun sind zahlreiche Ausländer zu uns gekommen, und deren Integration dauert.“ Das sei noch ein sehr langer Weg.

„Wie stehen Sie zum Thema Gewalt, fragte Konstantin. „Da gibt es keine Toleranz!“, so die Ministerin. „Aber Demokratie ist lernbar.“ Auf schulischer Ebene, flocht Roman Schulz, Pressesprecher der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig, ein, „bieten wir vielseitige Hilfe, wollen zur Integration Weichen stellen. Die Menschen müssen dann auch wollen und Hilfe annehmen“.

Bildungspolitik spielte gestern ebenfalls eine Rolle. Dafür hatte Köpping im Podium Unterstützung von Gollan, drei Lehrern sowie Schulz und seiner Kollegin Kerstin Kolb. Es ging um zu wenig Pädagogen, um die Anerkennung ihrer Ausbildung sowie Verbeamtung, um Schulpflicht, ein einheitliches Schulsystem und die Änderungen bei der Bildungsempfehlung. Darüber hinaus stellten die Schüler dann noch Fragen nach Ost-West-Verhältnissen, den Parteien, Bergmannsrente und „Buschzulage“. Schließlich sollte die Ministerin Farbe bekennen: „Haben Sie sich Ihre Arbeit und Aufgaben so vorgestellt?“ Köpping: „Ja und nein, weil viele Faktoren dabei eine Rolle spielen. Aber mir macht es immer noch Spaß, besonders weil es eine schöne Aufgabe ist, sich zu engagieren.“

Am Ende hatte es nicht nur ihr gefallen. „Viele kluge Fragen, eine erbauliche Stimmung“, befand Roman Schulz. „Die Schüler haben sich viele Gedanken gemacht. Schließlich lebt Demokratie ja davon, dass viele mitmachen, sich nicht raushalten.“ Auch Schulleiterin Barbara Gollan hatte einen positiven Eindruck. „Das war richtig gut. Die Vorbereitung in den Gruppen hat funktioniert. Und die Antworten waren ebenfalls in Ordnung.“ Diese sollen nun im Unterricht der Zehntklässler ausgewertet werden.

Quelle: LVZ vom 27.01.17